Im alten Ebingen wurde mit vielen Unterbrechungen oder nur im eigenen Kämmerlein tatsächlich eine Fasnacht gefeiert. Daher bedarf es keiner Dämonisierung oder einer lokalen Sagengestalt, um sich in irgendeiner Form rechtfertigen zu wollen. Ganz im Gegenteil! Die Wurzeln und das Brauchtum einer Fasnet müssen wieder gestärkt werden. Frohsinn, Klamauk, Glossieren/Aufsagen und alles, was die normalen Regeln im Alltag übertritt  – ohne jedoch ausfallend zu werden –  sowie das kräftige Feiern haben bei uns Einzug gehalten! Dennoch muss gesagt werden:
Wir haben hier aus konfessionellen Gründen keine durch die Jahrhunderte durchgehend geführte Fasnetstradition. Die ursprünglich im (katholisch) christlichen Jahresablauf geführte Fastenzeit wurde in Ebingen nach der Reformation nicht mehr gehalten. Deshalb sind auch die fasnachtlichen Sättigunsfeiern im Laufe der Zeit nicht weitergeführt worden. Erst im 19. Jahrhundert kamen die Ebinger Bürger mit der Fasnacht (wieder) in Verbindung. Die wenigen Wurzeln wollen wir zum Anlass nehmen, um die (wieder-)begonnene Fasnacht in Ebingen zu leben und zu gestalten.

Aus vor-reformatorischer Zeit ist belegt, dass es in Ebingen einen „Fastnachtsmarkt“ gegeben hat. So wie der „Martinimarkt“ und Märkte an anderen Tagen des Jahresablaufs ist dieser Markt wohl als Jahrmarkt und Markt für allerlei zu betrachten.
Die Fastnacht war zudem ein jährlicher „Zinstag“, also Steuertag, an dem Abgaben an die entsprechenden Herren abzugeben waren. Es ist belegt, dass „Friederich von Ebingen“, von dem niederen Adel „Herren von Ebingen“ an Fastnacht ein Huhn an die Fürstenberger abzugeben hatte. Die „Fasnachtshenne“ ist also kein Alleinstellungsmerkmal mancher Zünfte und hat in der Regel auch nichts mit den Fasnachtsfeierlichkeiten zu tun. Lediglich das Wort „Fastnacht/Fasnacht“ verführt die Hobbyhistoriker dazu, daraus eine erste Fasnet abzuleiten.

1886

8. März 1886: Der erste Masken-Umzug durch die Hutmacher. Geschildert in den Aufzeichnungen von Josef Halm und im Alb-Boten vom 10. März 1886. Über 100 Maskenträger ziehen durch die Innenstadt. 6 Reiter zu Pferd, ein Festwagen (vermutlich der oben genannte Michelwagen), 1 Eselsritter.

Musik bei der Fastnachtsunterhaltung 40,- Mk. ; Sportel für Schankerlaubnis 2,- Mk. ; 4. Quasten zur Maskerade 1,60 Mk. ; ein Maskenkopf (Michel) 4,- Mk. ; Fuhrlohn für Michelwagen 1,- Mk.

1887

Einige der hier genannten Figuren und Verkleidungen werden auch in den Aufzeichnungen des Josef Halm genannt. Es war ein zu damaliger Zeit typischer Themenumzug in karnevalesker Form, der in dieser Größenordnung sonst nur in Hochburgen oder größeren Städten zu sehen war. Arbeiter der Hutfabriken Daiber und Lieb sowie Mitglieder des Hutmachergesangvereins Liederkranz waren im Narrenkomité als Organisatoren verantwortlich.

1892

Das bis heute verschollene Narrenbuch wird erstmals erwähnt.

1900

Das Narrenkomitee der Hutmacher ruft zur „Großen Narrenversammlung“ auf. Hier können sich alle teilnehmenden Bürger und Gruppen in das „Narrenbuch“ eintragen lassen, was zur Teilnahme am Maskenumzug berechtigt.

Auch im Gemeinderatsprotokoll 1900 wird der Maskenumzug und der Ball in der Turnhalle vermerkt.

Der „Alb-Bote“ und der „Neue Bote“ berichten am 27.02.1900 über den Masken-Umzug „Die Reise um die Welt“, der sage und schreibe drei Stunden in Anspruch genommen hat. Es gibt viele verkleidete Gruppen und Motivwagen. Mit dabei war auch das Narrenschiff Narro Sibo.

1939

„Narrenfreiheit für Ebingen“
lautet die Schlagzeile der örtlichen Presse und beschreibt den ersten Ebinger Umzug seit dem Jahre 1900.Der Prinz ist in Lautlingen eingestiegen und mit dem Zug nach Ebingen gefahren, wo er am Bahnhof empfangen wird. Nachdem der Prinz in seine Kutsche gestiegen ist, bekommt er vom Büttel den Stadtschlüssel überreicht.
Um 14.22 Uhr startet der Umzug vom Bahnhof aus über die Bahnhofstraße, Schweinsweiher,
Marktstraße, Obere Vorstadt, Schütte zur Ebinger Festhalle.